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Montag, Januar 21, 2013

Wird Brrrrrrrrranko zum Königstransfer?

Bei seinem ersten Rapid-Gastspiel habe ich Branko Boskovic immer ein bisschen kritisch beäugt. Erstens hatte ich das Gefühl, dass er nicht in jedem Spiel sein ganzes Können ausschöpft. Und zweitens (was mich viel mehr störte) nahm er meinem Lieblingsspieler Veli Kavlak dessen Paradeposition im zentralen Mittelfeld weg. Dafür konnte Boskovic selbst natürlich recht wenig. Schuld daran war viel mehr eine brutale Fehleinschätzung Peter Pacults bezüglich der Fähigkeiten Kavlaks. Dass sich der U20-WM-Held mittlerweile sowohl bei Besiktas als auch im ÖFB-Team als spielmachender Sechser etabliert hat, widerlegt Pacults Flügelspieler-These klar und deutlich.

Das nunmehrige Comeback von Boskovic im Rapid-Dress sehe ich aber gänzlich positiv. Auch wenn der Montenegriner schon 32 Lenze zählt. Denn Boskovic könnte jener Spieler sein, der den Hütteldorfern in dieser Saison immer wieder gefehlt hat. Allzu oft war das Rapid-Spiel im Herbst nämlich zu sehr vom jungen Momo Ildiz abhängig. Als Ballverteiler vor der Abwehr prägte der 21-Jährige das zu Saisonbeginn neue taktische Konzept von Peter Schöttel. Im Stile eines „österreichischen Andrea Pirlo“ diktierte Ildiz von hinten den Spielaufbau (siehe z.B. für österreichische Verhältnisse unglaubliche 131 Ballkontakte in der 2. Runde gegen Wr. Neustadt).

Doch im Laufe des Herbsts taten sich (vorauszusehende) Probleme auf. Einerseits stellten sich die Gegner auf Rapids neuen Schmäh ein. Andererseits fehlten jedoch auch die personellen Alternativen zu Ildiz. Schwankte seine Form oder fiel er verletzt aus, konnte niemand das junge Eigengewächs adäquat ersetzen. Stefan Kulovits und Markus Heikkinen geht das dazu nötige akkurate Passspiel ab. Thomas Prager fühlt sich in der dynamischen „Box-to-Box-Rolle“ wohler.

Mit Branko Boskovic könnten Schöttel und Co. diesen fehlenden Mosaikstein gefunden haben. Schon unter Pacult bewies er, dass er aus der Mittelfeldzentrale das Spiel ordnen kann. Zudem besitzt er die nötige Technik, um bei gegnerischem Pressing den Ball zu halten. Trotz seines hohen Alters könnte Boskovic deswegen zu einem wichtigen Baustein Rapids im Frühjahr werden. In seinem Schatten wird es auch für Ildiz leichter sein, sich zu entwickeln. In der Vorbereitung kommt es nun auf das Trainergespann Schöttel/Hickersberger an, Boskovic in seine neue taktische Rolle einzuführen. Vorausgesetzt natürlich, dass das gegen Ende der Hinrunde kriselnde Spielkonzept beibehalten wird. 

Freitag, Januar 18, 2013

Warum sich ein Berufsheer bewähren würde

Es war 1991. Der letzte Einsatz des Bundesheeres, bei dem es seiner tatsächlichen Kernaufgabe nachging - der Landesverteidigung. Slowenien proklamierte seine Unabhängigkeit. Die jugoslawische Zentralregierung hatte etwas dagegen. Das resultierte im sogenannten 10-Tage-Krieg. Kampfhandlungen vor der Haustür Österreichs. Die Aufgabe des Heeres: Grenzen absichern. In den Wirren des Krieges hätten Gefechte schnell einmal auf österreichisches Gebiet übergreifen können.

Ein Freund von mir war damals dabei, hat er mir erzählt. Er hatte Pech. Denn ausgerechnet, als er seine Wehrpflicht absolvierte, begann der Zerfall Jugoslawiens. Vier Wochen Grundausbildung und ein paar Wochen stationiert in einer Kaserne, doch plötzlich hieß es fertig machen und ab an die Grenze. Natürlich war das kein Zuckerschlecken: Noch nicht einmal 20 Jahre alt, vor ein paar Wochen zum ersten Mal eine Waffe in der Hand und plötzlich sollte er Österreichs Grenzen gegen die gut ausgerüstete jugoslawische Armee schützen.

Grünschnäbel gegen Panzer

An einen Abend kann er sich noch ganz genau erinnern. Irgendwo in einem Kärntner Tal sicherten er und seine gerade ausgebildeten Kollegen die Grenze ab. Aus der Ferne konnten sie den Krieg hören – Schüsse und Granateneinschläge. Auf einmal überquerten ein paar Deserteure friedlich die Grenze. Dahinter konnte man Panzerfahrketten hören. Die Situation war angespannt. Was sollten die Rekruten tun? Ihnen wurde aufgetragen zu feuern, sollten sich ausländische Truppen der Grenze nähern. Doch noch wollten die Offiziere abwarten. Viel hätte die ungeübte österreichische Einheit sowieso nicht ausrichten können.

Die Panzer kamen immer näher. Nervosität machte sich breit. Würden die jugoslawischen Streitkräfte aufs Ganze gehen und die Deserteure bis nach Österreich verfolgen? Mein Freund hatte noch nie so viel Angst in seinem Leben. Seinen Kollegen dürfte es wohl ähnlich ergangen sein. Kurschlussreaktionen, gerade bei unerfahrenen Grundwehrdienern, konnten nicht ausgeschlossen werden. Ein einziger Schuss hätte Österreich mit in den jugoslawischen Krieg ziehen können. Doch plötzlich drehten die Panzer um. Erleichterung machte sich breit.

Ich werde politisch

Ein solches Szenario ist heute natürlich unvorstellbar. Österreich liegt inmitten der EU. Dem Bundesheer ging damit seine Kernkompetenz weitgehend verloren. Doch selbst wenn die Grenzen einmal verteidigt werden müssten, würde ich mich mit einem Berufsheer sicherer fühlen. Denn erstens können unerfahrene Amateure in einer solch heiklen Situation viel Schaden anrichten, wie die Erfahrungen meines Freundes zeigen. Und zweitens wäre das derzeitige Heer in einer solchen Lage sowieso zu klein, um ernsthaft Widerstand zu leisten. „Ein Wehrpflichtigenheer ist im Frieden viel zu groß und im Ernstfall nicht einsetzbar, weil zu wenige wirklich ausgebildete Soldaten zur Verfügung stehen“, meint auch Sicherheitsexperte Gerald Karner (der mit der angenehmen Stimme) im Report.

Würde sich also die Bundesregierung einmal über ein ernsthaftes militärisches Sicherheitskonzept Gedanken machen, dann würde sie bald feststellen, dass am Berufsheer kein Weg vorbeiführt. Nicht umsonst haben die meisten anderen europäischen Staaten schon längst umgestellt. Auch weil sich die EU darauf geeinigt hat, in Verteidigungsfragen zusammenzuarbeiten. Das lernt jedeR SchülerIn im Zuge der Dreisäulenlehre. Dass ein Experte wie Generalstabschef Edmund Entacher noch immer für die Wehrpflicht ist, hat wohl damit zu tun, dass dieser sich um weitere Budgetkürzungen Sorgen macht. Verständlich, denn das Bundesheer nagt sowieso schon am Hungertuch.

Eine Kreuzerl-Empfehlung

Aber vielleicht sollte man erst einmal die Aufgaben des österreichischen Heeres definieren, bevor entschieden wird, wie viel Geld man dafür braucht. Dann kann man Schwerpunkte (Katastrophenschutz!) setzen und den derzeit aufgeblähten Beamtenapparat umstrukturieren. Ansonsten passiert so etwas wie der unnötigste Panzerkauf aller Zeiten (Danke, ÖVP). Die aktuelle Lage ist jedenfalls unbefriedigend. Die Wehrpflicht hat sich eben nicht bewährt. Erstens aufgrund der gerade ausgeführten verteidigungspolitischen Gründe und zweitens, da eine verpflichtende Ausbeutung junger Männer sowieso jedem Freiheitsgedanken zuwider läuft.

Deswegen am Sonntag bitte beim Berufsheer das Kreuzerl machen. Auch wenn es aufgrund der unsachlichen Informationspolitik, dem fehlenden Gesamtkonzept sowie der widersprüchlichen Argumentationslinie der SPÖ schwer fällt.

PS: Der Zivildienst wurde in diesem Blog bewusst nicht angesprochen, da er sowieso nur der benachteiligte und diskriminierte (neun statt sechs Monate; einhergehender Ausschluss von gewissen Berufsfeldern) Ersatz für den Dienst mit der Waffe ist. Wer deswegen ausgerechnet mit den „Zivis“ für die Wehrpflicht argumentiert macht sich prinzipiell lächerlich.

Dienstag, Januar 15, 2013

Jänner = Prüfungszeit

Es muss ein bisschen komisch aussehen. Wenn ich da so stundenlang herumsitze und auf mein Handy starre. Aber weil ich keinen Drucker habe, bleibt mir nicht anderes übrig. Deswegen lerne ich die Powerpointfolien meiner Vorlesung einfach über das Smartphone. Mit der Zeit wird das anstrengend. Die kleinen Buchstaben auf dem leuchtenden Bildschirm machen den Augen Probleme. Gottseidank habe ich meine handschriftlichen Notizen. Die sind eine willkommene Abwechslung.

Ich bin ja kein Bibliothekslerner. Dort kommt es mir irgendwie so zwanghaft vor. Andauernd muss man sich bemühen leise zu sein. Dazu sind Atmosphäre und Sitzplätze ungemütlich. Manche Leute sollen dort ja angeblich nur hingehen, um potenzielle Liebschaften kennen zu lernen. Behaupteten zumindest böse Zungen.

Ich dagegen bevorzuge das Kaffeehaus als Lernort. Es hat ein bisschen was von einem Boheme, wenn man bei Heißgetränk und Croissant in seine Gedanken versinkt. Nicht, dass ich ein Boheme bin oder sein möchte. Aber die Atmosphäre in Cafés passt perfekt fürs Lernen: Es ist nicht laut, aber auch nicht zwanghaft leise, die Sitzplätze bieten gemütlichen Komfort und man kann sich von Kellner oder Kellnerin verköstigen lassen. Musik darf dabei natürlich nicht fehlen. Einmal Kopfhörer aufgesetzt und Lernmaterial studiert, bin ich eh schon in meiner eigenen Welt. Als einzige Ablenkung dienen twitter und facebook. Blöderweise gewinnen diese Dienste umso mehr an Verlockung, je länger ich auf mein Handy starre. Verdammt, warum habe ich nur vergessen, die Powerpointfolien zu Weihnachten daheim auszudrucken?

Sonntag, Januar 13, 2013

Freizeit

Ich war süchtig. Zwei Tage lang konnte ich keinem geregelten Tagesablauf nachgehen. Ich vernachlässigte FreundInnen, verbrachte die ganze Zeit in meinem Zimmer. Mir war es einfach nicht möglich, mich davon loszureißen. Nach dem Aufwachen ging es schon wieder los: Laptop aufgedreht, Browser geöffnet und Video ab. Zwei Staffeln, 24 Folgen zu je 50 Minuten - Homeland verwandelte den Beginn dieser Woche zu einem einzigen Fernsehmarathon.

In Wien fange ich mir so etwas normalerweise erst gar nicht an. Der Grund ist simpel: Ich habe keine Zeit dafür. Mit ihren Cliffhangern, detailverliebten Stories und komplexen Charakteren erzeugen diese neuen TV-Serien einen zu hohen Suchtfaktor. Schaue ich mir eine Folge an, kippe ich so leicht in die fiktive Welt hinein, dass keine Zeit für Arbeit, Studieren und sonstige Verpflichtungen bleibt. Deswegen beschränke ich mich für üblich auf eine kleine, aber feine Auswahl an Serien, wie zum Beispiel Breaking Bad. Die kann ich dafür ohne schlechtes Gewissen regelmäßig verfolgen.

In Antwerpen ist das nun anders. Hier bleibt mir mehr Zeit für mich selbst. Dementsprechend habe ich schon einige Staffeln diverser Serien hinter mir. Angefangen hat es mit Mad Men, der Retro-Serie mit den feschen Kostümen. Dann habe ich mir endlich einmal die netten Herren von Flight of the Conchords reingezogen. Eine Serie, die mir genauso von TV-Experte Mate empfohlen wurde, wie It’s always sunny in Philadelphia. Im Dezember hat mir meine Schwester Agi das Sex and the City der jungen Leute, Girls, ans Herz gelegt. Hinzu kommt von Montag bis Freitag eine Folge Dexter, der gerade im belgischen Fernsehen läuft. Und am Comeback der Sendung ohne Namen kommt man sowieso nicht vorbei.

Trotz aller Sucht – ein Genuss ist es allemal sich auf eine gut produzierte TV-Serie einzulassen. Man kann sich damit auch für etwas selbst belohnen. Im Falle von Homeland war es die Fertigstellung meiner Uni-Essays. Jetzt muss ich nur noch eine neue Serie finden, die ich nach den anstehenden Prüfungen schauen kann.

Freitag, Dezember 21, 2012

Heast Horst!

Die Weihnachtszeit in Antwerpen ist mild. Ich mein, von den Temperaturen her. Unter Null Grad hatte es mittlerweile schon seit mehreren Wochen nicht. Kalt wird es nur, wenn der Wind durch die Straßen zieht. Dazu kann dieser konstant anhaltende Schnürlregen recht anstrengend sein, vor allem weil der immer im Doppelpack mit düsterem Nebel kommt.

Ab morgen bin ich dieses ambivalente Wetter sowieso los. Zumindest für eine Woche. Denn Weihnachten werde ich zu Hause verbringen. Ich freue mich schon. Das macht sich auch in meinen Träumen bemerkbar. Geschichten mit Freunden und Familie prägten die Nächte der letzten Wochen immer mehr.

Da fantasierte ich zum Beispiel davon, wie ich alleine durch mein Heimatdorf Eibesthal schlendere. Plötzlich begegne ich dem Schöfbeck Horst, den man auch Cheesy nennt, und der sagt dann: „Servas Mädl! Nau, bist schau wieda daham?“ Mädl ruft er mich, weil ich in den letzten Jahren immer längere Haare hatte, als der Durchschnitts-Eibesthaler. Bevor ich aufwache, führe ich noch ein bisschen Smalltalk mit ihm. Danach fragte ich mich, warum ich von allen EibesthalerInnen ausgerechnet von Cheesy träume? Egal, jedenfalls wünsche ich dir schöne Grüße, falls du das liest. Bis bald!

Ein Gedicht

Achtung!

Zufälligkeiten als Freiheit interpretiert,
Kompromisse als Vernunft fingiert,
radiert mein Auge die Farben vom Tisch.

Enge als Wille deklariert,
Schwäche als Perfektion maskiert,
hebt mein Auge die Landschaft vom Tisch.

Konfusion als Botschaft kultiviert,
Ehrgeiz als Menschlichkeit fringiert,
zieht mein Auge der Landschaft die Berge aus.

Meinung als Nachricht codiert,
Konventionen zur Bedeutung fixiert,
zieht mein Auge der Welt die Begriffe ab.

Streber als Heilige apostrophiert,
Verbrechen mit Staat poliert,
sprengt mein Auge ein Loch in die Welt!

Ein Gedicht von Peter Weibel. Mit meinen persönlichen Assoziationen.

Samstag, Dezember 15, 2012

Meine Sucht

Es ist ja immer ein bisschen komisch, wenn mich jemand nach meinem Beruf fragt. Auf der einen Seite gibt es die sportinteressierten Leute (zumeist Männer), die mit Anerkennung reagieren. Manchmal sogar mit erstaunter Bewunderung. Dann sind da aber noch die Menschen, die Sport für billige Unterhaltung des Pöbels halten. Von denen (zumeist Frauen) werde ich wie ein Freak angesehen. JournalistInnen gehören zu einer angesehen Berufsgruppe. Stellt man jedoch das Wörtchen Sport davor, kommt dabei anscheinend eine dubiose Branche heraus.

Ich kann diese Sichtweise aber voll und ganz nachvollziehen. Denn natürlich sind wir Freaks! Es glich einer persönlichen Offenbarung, als ich 2009 zum ersten Mal die LAOLA1-Redaktion betrat. Endlich Gleichgesinnte! Wo findet man sonst Leute, mit denen man über den talentierten Kader Standard Lüttichs diskutieren kann (die 2008er-Meistermannschaft, u.a. mit den heutigen Berühmtheiten Dante, Witsel, Fellaini, Defour oder de Camargo)? Menschen, die die gleichen emotionalen Erfahrungen mit diversen Sportveranstaltungen teilen, wie der legendären Tour de France 2003.

Plötzlich bekam das ganze unnütze Sportwissen, das ich über 20 Jahre dank Vater und Oma angesammelt hatte, einen Sinn. In den vier Wänden der Hosnedlgasse kann ich meine Sportsucht ausleben, ohne schiefe Blicke zu riskieren. Vor 2009 war das nicht immer so einfach. Es entstanden Konfliktsituationen. Rodeln gehen oder Biathlon? Freibad oder Tour de France? Freunde treffen oder Fußball schauen? Eine ewige Kontroverse, die sich mit meinem Eintritt in den Orden der Sportjournalisten von selbst löste. Denn von da an wurde Sportschauen einfach zur beruflichen Verpflichtung.

Antwerpen wirkte auf meine Sucht, wie eine sanfte Entziehungskur. Auch hier gibt es Sportinteressierte, mit denen man sich zum Beispiel über die deutsche Bundesliga hervorragend unterhalten kann. Aber die Frage, warum Fritz Pinter so stark in die Biathlon-Saison gestartet ist, interessiert eben nur wenige. Deswegen war der Besuch einiger Kollegen am letzten Wochenende ein umso größerer Genuss. Nicht nur, weil sie fantastische Freunde sind. Endlich konnte ich meinen Sporthunger wieder so richtig ausleben. Munk erzählte mir von der NBA, Michi von Sporthelden aus den 90ern, Mate gewann mit Francois Affolter das Sportquiz über Schweizer Fußballspieler und Rudi verwehrte Oscar Wendt doch tatsächlich den Status einer Legende. Danke für euren Besuch, meine Herren!

Dienstag, Dezember 11, 2012

Als ich gerne mit Alice Glass Sex gehabt hätte

„I should not have bought these concert-tickets“, sagte ich zu meiner Mitbewohnerin Chloe noch bevor ich mich auf den Weg nach Brüssel machte. Ich hätte viel lieber einfach geschlafen. Drei Tage Besuch aus Österreich samt gräflichem Fortgehmarathon hatten mir zugesetzt. Magenprobleme, Müdigkeit und eine unglaubliche Trägheit prägten meinen Körper. Auf der 45-minütigen Zugfahrt in die belgische Hauptstadt kämpfte ich erfolgreich gegen Brechreiz an. Dann traf ich meine Begleiterin Sophie. Sowohl reden, als auch zuhören fiel mir schwer. Die Wartezeit zum Beginn des Konzerts zog sich unerklärlich in die Länge. Stehen wurde zur Qual. Auch weil immer mehr Leute in die Halle des Ancienne Belgique drängten. Das tat der Raumtemperatur genauso wenig gut, wie die auf Hochtouren laufenden Nebelmaschinen.

Doch plötzlich wurden alle Wehwehchen aus mir herausgefegt. Die Crystal Castles legten los. Man musste einfach tanzen, zu diesem perfektem Sturm aus elektronischen Sounds. Mein kompletter Organismus vibrierte. Dazu diese beeindruckende Lichtkombinationen aus grünen, roten und blauen Laserstrahlen – they flashed my mind. Das Beste war aber sie, Alice Glass, die Sängerin auf der Bühne. Ihre Stimme an Intensität kaum zu überbieten, die Kraft ihrer Bewegungen einfach nur surreal. Von meiner Position im Publikum konnte ich ihr Aussehen kaum erkennen. Trotzdem übte sie auf mich eine derart starke Attraktivität aus, dass ich gerne mit ihr Sex gehabt hätte.

Von „Baptism“ über den Pro-Evolution-Soccer-Klassiker „Celestica“ zum legendären „Not In Love“, das ja eigentlich „The Cure“-Frontman Robert Smith singt – die Setlist war richtig gut gemischt. Ein besonderes Highlight gab es zum Start der Zugabe: Nach zweiminütiger Pause bombardierte plötzlich der Bass von „Love and Caring“ die Halle, perfekt ergänzt mit flashenden Blitzlichtern. Nach dem Konzert ging es mir gesundheitlich wieder gut. Ich stank nur noch des Schweißes wegen, nicht mehr aufgrund der Magenprobleme. Gute Musik ist gute Medizin.

Freitag, November 30, 2012

Ein Fremdwort namens laufen

Ich schäme mich für diesen Eintrag. Vor allem, wenn ich an meinen Fußballtrainer Ludwig, Lauf-Onkel Franz oder Kletter-Mitbewohner Dominik denke. Aber ich muss mir eingestehen, in Antwerpen noch keinen Sport gemacht zu haben. Weder spielte ich Fußball, noch ging ich einmal Laufen oder probierte irgendetwas aus dem vielfältigen, universitären Sportsangebot aus. Long story short: Ich war drei Monate lang eine faule Sau.

Gestern versuchte ich diesen Umstand aus einer Laune heraus zu ändern. Vielleicht kennt ihr das Gefühl: Man lungert den ganzen Tag herum, isst zwei Mahlzeiten und plötzlich strotzt man am Abend nur so vor Lebensenergie, die nirgendwo raus kann. Also beschloss ich um 21:30 Uhr, zum ersten Mal seit meiner Ankunft die Laufschuhe auszupacken. Meine Mitbewohnerinnen Lotte und Chloe lachten nur, als sie mich in meiner Jogger-Kluft sahen. Doch ich ließ mich von ihren hämischen Kommentaren nicht abhalten. Schon machte ich mich auf, von meiner Wohnung aus in Richtung Norden.

„Hmm… läuft sich gar nicht so schlecht“, dachte ich zu Beginn. Es gleichte einer physischen Befreiung: Endlich wieder einmal sportliche Betätigung. Ich genoss die Dunkelheit der Nacht in Kombination mit den vielfältigen Lichtern der Stadt und entspannter Musik. Mit der Zeit jedoch wurde es etwas unangenehm. Die kalte Luft brannte sich in meine Atemwege. Ich hätte doch einen Schal mitnehmen sollen. Auch die Beine wurden immer schwerer. Also kehrte ich nach 20 Minuten wieder zurück. Ein kurzer, aber angenehmer Dauerlauf.

Heute bereue ich es. Nicht den Sport von gestern, sondern die sportlose Zeit die drei Monate zuvor. Denn Stiegensteigen ist plötzlich eine echte Herausforderung. Für meine Beinmuskulatur dürfte „laufen“ mittlerweile zum Fremdwort geworden sein. Jedenfalls fühlt sich diese jetzt steif und schwerfällig an. Fazit: Regelmäßig laufen gehen.

Donnerstag, November 29, 2012

Are you finished? No, I’m Austrian.

Der mächtige Finne ballte seine Faust. Während er etwas murmelte, wurde mir mulmig. Mein kaltherziger Freund Lauri lachte nur. Genauso wie der zweite dicke LKW-Fahrer im Raum. Eine komische Situation. So ganz alleine als schmächtiger Jüngling zwischen diesen drei echten, finnischen Männern. Nackt. In einer echten, finnischen Sauna.

„He asked me, if we were a couple“, erklärte Lauri wenig später. Mit seiner Faust illustrierte der bärtige Typ aus dem Norden, was er mit uns angestellt hätte, wären wir schwul. „I only hate three things in the world: gipsies, racial discrimination and faggots“, soll der alte Finne Lauri zufolge gesagt haben. Ein eigenartiger Abend in der finnischen Seemannskirche von Antwerpen.

PS an meine Mutter und alle anderen Leute, die nicht wissen, was gipsies und faggots sind: ZigeunerInnen und Schwuchteln.